COOL NOONS: Mediterrane Städte zur heißesten Stunde des Tages neu denken

Wer im Hochsommer zur Mittagszeit durch eine mediterrane Stadt gegangen ist, kennt das Gefühl: gleißendes Licht, aufgeheizter Asphalt und selbst die schönsten Straßen wirken plötzlich anstrengend. Während der Klimawandel die Temperaturen weiter steigen lässt und Hitzewellen häufiger auftreten, ist diese Pause im urbanen Leben längst keine saisonale Unannehmlichkeit mehr. Sie stellt eine zunehmende Herausforderung für Bewohner, Besucher und touristisch geprägte Destinationen dar.

Hier setzt COOL NOONS an – ein europäisches Kooperationsprojekt unter der Leitung von AVITEM, das eine zentrale Frage stellt: Wie können mediterrane Städte auch während der heißesten Stunden des Tages angenehm, lebenswert und einladend bleiben? Gefördert durch das Interreg Euro-Med-Programm vereint COOL NOONS Städte, Tourismusorganisationen und Forschungseinrichtungen, um praxisorientierte Strategien zur Anpassung des urbanen Tourismus an extreme Hitze zu entwickeln – ohne die Identität der Städte zu beeinträchtigen.

Verlangsamen statt Rückzug

Entschleunigen statt Stillstand

Anstatt Besucher dazu aufzufordern, sich vollständig ins Innere zurückzuziehen oder Städte zu meiden, verfolgt COOL NOONS einen differenzierten Ansatz: die Neugestaltung des Mittagerlebnisses. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten „Cool Noon Paths“ – sorgfältig konzipierte Routen, die Menschen während der heißesten Tagesstunden durch kühlere und komfortablere Stadträume führen.

Diese Wege verbinden schattige Straßen, Parks, Wasserelemente, Museen, Bibliotheken und kulturelle Einrichtungen. Ziel ist es, die Stadt bewusster und langsamer zu erleben – im Bewusstsein der körperlichen Belastungsgrenzen bei hohen Temperaturen.

Fünf mediterrane Pilotstädte – Marseille, Bologna/Imola, Lissabon, Dubrovnik und Budva – testen diese Ansätze unter realen Bedingungen. Jede Stadt passt das Konzept an ihr jeweiliges Klima, ihre urbane Struktur und ihr touristisches Profil an, sodass ortsspezifische und kontextbezogene Lösungen entstehen.

 

Mit Menschen gestaltet, nicht nur für sie

Ein zentrales Merkmal von COOL NOONS ist der Co-Creation-Ansatz an der Schnittstelle von Stadtplanung und Tourismusentwicklung. Lokale Bewohner, Besucher, Fachleute und kommunale Entscheidungsträger wirken aktiv an der Entwicklung der Lösungen mit.

Die daraus resultierenden Interventionen sind häufig niedrigschwellig, aber wirkungsvoll: zusätzliche Begrünung, schattige Sitzmöglichkeiten, kleine Wasserelemente, verbesserte Wegweisung zu klimatisch angenehmen Orten oder eine aktivere Nutzung bestehender Kulturinstitutionen während der heißesten Stunden. In ihrer Gesamtheit verändern diese Maßnahmen nachhaltig die Wahrnehmung und Nutzbarkeit des urbanen Raums zur Mittagszeit.

Wenn Kultur und Technologie die Stadt kühlen

Wenn Kultur und Technologie zur Klimastrategie werden

Das Projekt versteht kulturelle Einrichtungen als urbane Klimarefugien – Orte, an denen Abkühlung mit kultureller Teilhabe verbunden wird. Museen, Bibliotheken und Kulturzentren werden in eine integrierte Anpassungsstrategie eingebunden, statt isolierte Attraktionen zu bleiben.

Durch die gezielte Lenkung von Besucherströmen und die Förderung alternativer Wege trägt COOL NOONS dazu bei, überfüllte Bereiche zu entlasten und die Aufenthaltsdauer in der Stadt unter komfortablen Bedingungen zu verlängern – ein Mehrwert für Tourismus und Stadtgesellschaft gleichermaßen.

Vom Erlebnis zur Evidenz

Hinter dem praxisorientierten und nutzerzentrierten Konzept steht fundierte wissenschaftliche Forschung. Die Wirkung der einzelnen Maßnahmen wird systematisch untersucht: thermischer Komfort, Besucherzufriedenheit, Bewegungsmuster und Gesamterlebnis werden erfasst und zwischen den Städten vergleichend analysiert. So wird gewährleistet, dass die entwickelten Lösungen nicht nur subjektiv angenehm, sondern empirisch wirksam sind.

Das ACG-RC (American College of Greece Research Center) spielt gemeinsam mit der Universität Coimbra eine zentrale Rolle bei der Ausgestaltung des methodischen Rahmens des Projekts, bei der Datenerhebung sowie bei der interkulturellen Evaluation. Das Forschungsteam wird von Dr. Maria Vrasida und Dr. Vasileios Vlaseros geleitet und koordiniert neun Forschende.

Dr. Vrasida, Stellvertretende Direktorin des Center of Excellence in Food, Tourism & Leisure (COEFTL) und Assistenzprofessorin im IBITHM Department, bringt Expertise in strategischer Planung und Destinationsentwicklung ein und untersucht, wie Städte sich an klimatische Belastungen anpassen können, ohne ihre Identität zu verlieren.

Dr. Vlaseros, Direktor des EEFA (Experimental Economics & FinTech Analytics) Lab innerhalb des Research, Technology and Innovation Network des ACG sowie Program Coordinator in Data Analytics, analysiert urbane Dynamiken und überführt sie mithilfe fortgeschrittener Datenanalyse und KI-gestützter Instrumente in umsetzbare Handlungsempfehlungen. Gemeinsam transformiert das Team alltägliche Stadterfahrungen in evidenzbasiertes Wissen, das Städte zur Anpassung und Innovation nutzen können.

Lehren für den Mittelmeerraum – und darüber hinaus

Auch wenn Griechenland nicht zu den Pilotstädten gehört, sind die adressierten Herausforderungen vertraut. Von historischen Stadtzentren bis hin zu Inselorten sehen sich griechische Destinationen zunehmend mit extremer Hitze und einer intensiven Nutzung öffentlicher Räume konfrontiert. COOL NOONS bietet hier einen übertragbaren Ansatz: Anpassung erfordert keine radikalen Umbrüche, sondern eine intelligentere Nutzung bestehender Räume, kultureller Ressourcen und lokalen Wissens.

Letztlich denkt COOL NOONS das Verhältnis zwischen Klima, Tourismus und urbanem Leben neu. Angesichts immer heißerer mediterraner Sommer könnte die Zukunft des Städtetourismus maßgeblich von thermischem Komfort, Verschattung und durchdachter Gestaltung abhängen.

Wir sehen uns auf dem Weg.