Minister für Infrastruktur und Verkehr, Christos Dimas | Infrastruktur als Vermächtnis

Interview von Lillian Psylla

 

GRIECHENLANDS ZUKUNFT ALS WETTBEWERBSFÄHIGES GLOBALES REISEZIEL GESTALTEN

In der globalen Tourismuswirtschaft ist die Infrastruktur keine bloße Rahmenbedingung mehr. Sie ist ein entscheidender Faktor für Glaubwürdigkeit, Resilienz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Während Griechenland in einen neuen Zyklus von Investitionen und Neupositionierung nach der Pandemie eintritt, erweisen sich Verkehrsnetze, urbane Mobilität und groß angelegte öffentliche Bauvorhaben als strategische Pfeiler für nationales Wachstum und die Qualität der Destination.

In diesem Interview erläutert der Minister für Infrastruktur und Verkehr die seit 2020 erzielten Fortschritte, die Großprojekte, die derzeit die Konnektivität im ganzen Land neu gestalten, und die langfristige Vision, die Griechenlands infrastrukturellen Wandel leitet. Von städtischen Verkehrssystemen und regionalen Straßennetzen bis hin zu Flughäfen von nationaler Bedeutung wird Infrastruktur hier nicht bloß als Entwicklungspolitik, sondern als nationales Vermächtnis präsentiert.

Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der griechischen Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur, und welches sind Ihrer Meinung nach die wesentlichsten Fortschritte, die seit 2020 erzielt wurden?

Nach einer Periode, die von aufeinanderfolgenden und vielschichtigen Krisen geprägt war, ist es Griechenland gelungen, seine Wachstumsdynamik zurückzugewinnen und gleichzeitig seine internationale Glaubwürdigkeit zu stärken.

Insbesondere nach 2020 war das Land aufgerufen, eine doppelte Herausforderung zu bewältigen: einerseits die Erholung nach der Pandemie und andererseits den Übergang zu einem widerstandsfähigeren und moderneren Entwicklungsmodell. Öffentliche Infrastruktur und moderne Verkehrsnetze spielten bei diesem Bestreben eine entscheidende Rolle und fungierten als Beschleuniger für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft.

In diesem Rahmen hat die Regierung in den letzten sieben Jahren bedeutende Schritte unternommen, um die Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur Griechenlands zu verbessern, und setzt diese Bemühungen fort. Große Straßen- und Eisenbahnprojekte wurden beschleunigt, Häfen und Flughäfen von strategischer Bedeutung modernisiert und die Verbindung zwischen dem Festland und den Inselzielen gestärkt.

Bezeichnend ist die Fertigstellung von 75 Kilometern der Autobahn Patras–Pyrgos und deren Verkehrsfreigabe. Dies hat die Erreichbarkeit des westlichen Peloponnes und dessen Anbindung an den Hafen von Patras erheblich verbessert, die Reisezeiten verkürzt und die Verkehrssicherheit erhöht.

In Thessaloniki wurde nach jahrelangem Warten das emblematische Metro-Projekt fertiggestellt, was den Verkehrsplan der Stadt radikal umgestaltet und die Verkehrsstaus bereits um 15 % reduziert hat. Weitere Vorteile werden mit der Verlängerung in Richtung Kalamaria erwartet, deren Übergabe in den kommenden Monaten geplant ist. Zudem sicherte die Verlängerung der Metrolinie 3 nach Piräus eine direkte Verbindung zwischen dem Flughafen und dem größten Hafen des Landes, was das Besuchererlebnis von der Ankunft bis zum Aufenthalt wesentlich aufwertet.

Welche aktuellen Investitionen in Verkehr und Infrastruktur werden voraussichtlich den größten Einfluss auf das Besuchererlebnis und das internationale Image Griechenlands haben?

Jedes Projekt zielt darauf ab, die Infrastruktur zu verbessern, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Fortschritt zu sichern, während gleichzeitig das Besuchererlebnis aufgewertet und das internationale Image Griechenlands gefestigt wird.

Derzeit setzt das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr ein umfangreiches Portfolio an Projekten im ganzen Land um, darunter Straßenbau, städtischer Nahverkehr, Eisenbahn, Hochwasserschutzprojekte sowie Hunderte von Projekten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Justiz.

„Infrastruktur ist kein technisches Detail mehr, sondern ein strategischer Pfeiler für Glaubwürdigkeit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.“

 

Zu den Vorzeigeprojekten im Straßenbau gehört die Fertigstellung des nördlichen Abschnitts der Autobahn E65 und deren Anbindung an die Egnatia-Autobahn, die bis zum Ende des ersten Halbjahres 2026 erfolgen soll. Es wird erwartet, dass dieses Projekt den Tourismus erheblich ankurbeln wird, indem es die Erreichbarkeit beliebter Ziele durch eine moderne Straßenachse verbessert, die Zentralgriechenland und Thessalien mit Westmakedonien und Epirus verbindet – von Lamia bis Grevena.

Ebenso bedeutend ist die Nördliche Straßenachse Kretas (VOAK), die nun in die Bauphase eingetreten ist und eines der größten Infrastrukturprojekte auf der Insel darstellt.

„Große Infrastrukturprojekte verbessern nicht nur die Konnektivität, sondern stärken auch das internationale Image Griechenlands als modernes und zugängliches Reiseziel.“

Im städtischen Nahverkehr stellt die Metrolinie 4, die von Alsos Veikou bis Goudi führt und 15 neue Stationen in dicht besiedelten Gebieten Athens umfasst, das größte öffentliche Projekt dar, das sich derzeit im Land in der Umsetzung befindet. Die Tunnelbohrmaschine „Athena“ hat bereits erfolgreich eine anspruchsvolle 5,1 km lange unterirdische Strecke fertiggestellt, während ihr Gegenstück „Niki“ aus der entgegengesetzten Richtung voranschreitet.

Parallel dazu wird die Erneuerung der städtischen Busflotte in Athen und Thessaloniki fortgesetzt, wobei Elektro- und emissionsarme Fahrzeuge integriert werden. Fast zwei Drittel der Flotte wurden bereits erneuert, wobei 1.000 neue Busse in Athen und etwa 500 in Thessaloniki im Einsatz sind.

Was ist die Vision des Ministeriums für zukünftige Investitionen und wie werden diese die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands im nächsten Jahrzehnt unterstützen?

Unsere Priorität ist die Schaffung eines modernen, resilienten und ökologisch nachhaltigen Infrastruktur- und Verkehrsnetzes, das die nationale Konnektivität verbessert und das Besuchererlebnis aufwertet.

„Die Modernisierung der Verkehrsnetze schafft ein integriertes System, das Wachstum, Nachhaltigkeit und langfristige Entwicklung unterstützt.“

Ein Vorzeigebeispiel ist der neue internationale Flughafen von Heraklion in Kastelli, ein Projekt von nationaler Bedeutung, das den bestehenden Flughafen ersetzen wird. Dieser ist derzeit der zweitgeschäftigste Griechenlands und wird 2025 über 10 Millionen Passagiere bedienen. Der Projektfortschritt liegt bei 67 %, und Ausschreibungen für Flugsicherungssysteme wurden im Rahmen der breiteren Luftfahrtreform bereits gestartet.

In Kombination mit den laufenden großen Straßen-, Schienen- und Stadtentwicklungsprojekten formt Griechenland ein integriertes Infrastruktur-Ökosystem. Dieses verbessert die Erreichbarkeit, Nachhaltigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit und stärkt damit die Position des Landes als verlässliches Tourismusziel für das nächste Jahrzehnt.